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Urheberrechte und kulturelle Vielfalt

Durch die Konfrontation zwischen dem verbraucherorientierten Markt und den Anforderungen freien künstlerischen Schaffens werden das geistige und das künstlerische Eigentumsrecht theoretisch und praktisch in Frage gestellt. Frankreich und Deutschland müssen den Charakter des Urheberrechts als Grundpfeiler jeglicher Kulturpolitik unterstreichen, da dieses den Kunstschaffenden die Möglichkeit gibt, von ihrer Kunst zu leben, wirtschaftlich unabhängig zu sein und ihre künstlerische Arbeit frei zu entfalten. Nur unter dieser Voraussetzung ist eine kulturelle Vielfalt möglich, die vom Verschwinden bedroht ist, wenn sie ausschließlich der freien Konkurrenz auf einem ungeregelten Markt ausgesetzt wird.

Ein besonderer Aspekt der Frage des Urheberrechts betrifft insbesondere das Internet: es werden zurzeit immer mehr Inhalte von Anbietern online gesetzt, die die Rechte von Autoren, ob Schriftsteller, Künstler, Komponisten oder Regisseure, einfach ignorieren. Verschiedene Optionen werden zurzeit in Europa diskutiert. Der Deutsch-Französische Kulturrat ist der Auffassung, dass weniger die Endverbraucher zur Kasse gebeten werden sollten, wie dies in manchen europäischen Ländern der Fall ist, als vielmehr die Anbieter selbst, die das Urheberrecht missachten. Statt Strafen im Nachhinein befürwortet der Deutsch-Französische Kulturrat die Einrichtung von legalen Plattformen, wie sie zurzeit die Buchbranche Schritt für Schritt einsetzt und dabei das Urheberrecht berücksichtigt.

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Kultur und Markt: „exception culturelle“

In den kommenden zehn Jahren werden das Schaffen, die Produktion und die Verbreitung von kulturellen Gütern und kulturellen Dienstleistungen zu einem zentralen Pfeiler der wirtschaftlichen Entwicklung werden. Die sogenannte immaterielle Wirtschaft, die Wirtschaft des Wissens, wird künftig immer mehr für Reichtum und Beschäftigung sorgen. Damit Kulturschaffende davon profitieren können, müssen Spielregeln eingeführt werden, die den besonderen Charakter von Kulturgütern berücksichtigen. Gegen die uneingeschränkte Anwendung einer absoluten Konkurrenz auf dem freien Markt setzen sich die Mitglieder des Rates mit Nachdruck ein für eine „exception culturelle“, wie sie in Frankreich definiert wurde, die zwischen Gütern allgemeiner Art und Kulturgütern unterscheidet.

Die Mitglieder wenden sich strikt gegen eine Infragestellung der „exception culturelle“ durch die uneingeschränkte Anwendung der Freizügigkeit, des Wettbewerbsrechts und des Gesetzes der geringst möglichen Kosten, die dem Wert der Kunstwerke schaden. Das Risiko ist umso größer, als die Digitalisierung von Kunst immer weiter um sich greift und zu einer wirtschaftlichen und finanziellen Konzentration in den Händen der reichsten Akteure führt.

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Europa und Kultur

Kultur ist nicht bloße Unterhaltung, sondern setzt eine kritische, von Utopien und einem allgemeinen Schönheitsempfinden geleitete Auseinandersetzung mit Kunst voraus. Aufgrund spezifischer geschichtlicher und politischer Hintergründe werden in den Ländern Europas unterschiedliche Schwerpunkte der Kulturpolitik gesetzt. Die großen Handlungslinien entsprechen sich, stehen aber in unterschiedlichen Zusammenhängen und nehmen somit verschiedene Formen an. Es müsste also um einen artist act oder einen Akt für Kunst und Kultur gehen, der versucht, Europa als ein Gebilde zu sehen, das die Rolle und die Funktion von Kultur untrennbar mit seinem politischen Selbstverständnis verbindet.

Für die Europäische Union fordert der Rat daher die Einführung eines Artikels über Kunst und Kultur in die Europäische Verfassung. Im Einvernehmen mit dem European Foundation Center plädiert der Deutsch-Französische Kulturrat für ein neues Statut von Stiftungen nach europäischem Recht, das in den nächsten Monaten von der EU-Kommission diskutiert werden soll. Dieser neue Status würde Stiftungen mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf internationaler Ebene sichern und die Durchführung von gemeinnützigen Aktivitäten innerhalb der Europäischen Union fördern. Einen solchen Status wünscht sich der Deutsch-Französische Kulturrat für eine Deutsch-Französische Stiftung nach europäischem Recht, über die seit langem nachgedacht wird und die von diesem Statut in idealer Weise profitieren könnte.

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Unterstützung der Sprache und der Kultur des Nachbarn

Dem Spracherwerb der jeweiligen Partnersprache in Deutschland und Frankreich gebührt seit der Gründung des Rates eine Sonderstellung. Eine große Anzahl an Empfehlungen zu diesem Thema wurde an die Regierungen gerichtet, u.a. zur Durchsetzung des „Aktionsplans für die Partnersprache“, der 2004 vom damaligen Erziehungsminister François Fillon und dem damaligen Bevollmächtigten für die deutsch französischen kulturellen Beziehungen, Peter Müller, verabschiedet wurde. In Zusammenarbeit mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft und dem Büro II des Bevollmächtigten Peter Müller hat der Rat maßgeblich an einer Evaluierung über den Stellenwert der Partnersprache bei den größten börsennotierten Wirtschaftsunternehmen in Deutschland und Frankreich mitgewirkt. Im Zusammenhang mit der Förderung der Sprache hat der Rat stets auf die Bedeutung der Goethe-Institute bzw. der Instituts Français im Prozess des zusammenwachsenden Europas hingewiesen; ebenso misst er den grenzüberschreitenden Möglichkeiten zum gegenseitigen Empfang von Rundfunk- und Fernsehprogrammen einen hohen integrativen und damit nicht nur kulturellen, sondern auch sozialpolitischen Stellenwert bei.


Künstlerische und kulturelle Bildung

Ein Gebiet, neben anderen, auf dem Frankreich und Deutschland sich erheblich entwickeln müssen, ist die künstlerische und kulturelle Bildung. Gerade hier sieht der Rat ein Feld gegenseitiger Befruchtung und wichtiger Potentiale. Trotz wiederholter Anstrengungen ist es noch nicht gelungen, die inzwischen allgemein bekannten Vorzüge einer musischen Bildung sinnvoll in die Lehrpläne zu integrieren. Selbst bei Berücksichtigung unterschiedlicher staatlicher Strukturen scheint eine Neuorganisation des Unterrichts musischer Fächer (Musik, Tanz, bildende und darstellende Kunst), insbesondere in Vor- und Grundschulen in beiden Ländern unverzichtbar, um den kulturbezogenen Fächern – angereichert mit interkultureller Komponente - denselben Stellenwert einzuräumen wie den naturwissenschaftlich-mathematischen und den geschichts- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern.
Kunst und Kultur, wie auch künstlerische und kulturelle Einrichtungen, können dem modernen Menschen helfen, dem ihm eigenen Gefühl der metaphysischen Entwurzelung zu begegnen und ihm ein Gerüst zum Verständnis der Welt und der Gesellschaft an die Hand geben, das weit über einen traditionellen und unbefriedigenden Materialismus hinausgeht.

Aus dieser Weltsicht heraus hat die Kulturpolitik das Ziel, das Allgemeininteresse zu wahren, das auf diesem Gebiet hauptsächlich definiert wird über:

  • ein vielfältiges Angebot: Unabhängigkeit und Pluralismus im Kunstschaffen und in der Verbreitung;
  • Demokratisierung des Zugangs zu kulturellen Einrichtungen und zu Kunstwerken.

Dies findet seinen Ausdruck in Maßnahmen zur Unterstützung und Regulierung.
Finanzielle Unterstützung und Schutz des kulturellen Erbes, der darstellenden und der bildenden Kunst, Regulierung der allein marktgesteuerten Kräfte in der Kulturwirtschaft: Verlagswesen, Film, audiovisuelle Medien und Musik.

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Einbeziehung der Zivilgesellschaft

Ein weiterer Schwerpunkt des Rates ist die Einbeziehung der Zivilgesellschaft, d.h. die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Initiativen und Projekten zur Ablösung der heute häufig staatlich diktierten Austauschprogramme durch kooperativ erarbeitete, und die Überwindung der vorwiegend hierarchischen Strukturen (Lobbying in Form von Empfehlungen und die Teilnahme an Arbeitstreffen). In diesem Zusammenhang hatte der Deutsch-Französische Kulturrat bei seinem 5. Mandat Arbeitsgruppen zu den Themen Mäzenatentum und bürgerschaftliches Engagement in der Zivilgesellschaft eingerichtet.


Kultur in der Verantwortung der öffentlichen Hand

Die Förderung von Kultur durch die öffentliche Hand in Deutschland, Frankreich und in der Europäischen Union darf aus kurzsichtiger Haushaltsenge nicht in Frage gestellt werden. Diese Unterstützung umfasst in erster Linie direkte Finanzierungen, private und öffentliche Subventionen für die unterschiedlichen Kunstsparten. Aber die Verantwortung der öffentlichen Hand darf nicht auf das rein Finanzielle reduziert werden: Regulierungsmaßnahmen, dank derer kreative, nicht ausschließlich profitorientierte Kulturunternehmen und experimentelle Werke zu Stande kommen und ihre Verbreitung finden, haben in der Vergangenheit eine wesentliche Rolle gespielt (z.B. Buchpreisbindung)  und werden dies weiterhin tun. Dies betrifft u.a. Kunstverlage, Arthouse Produzenten oder Independent Labels etc.

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Weimarer Dreieck

Obwohl dem Rat bei der Gründung von den beiden Regierungen die Förderung der bilateralen Kulturbeziehungen aufgetragen wurde, hielten die Mitglieder seit der Jahrtausendwende die Überwindung der bilateralen Kulturbeziehungen und die Einbeziehung anderer europäischer Nationen, vor allem Mittel und Osteuropas, für unerlässlich auf dem Weg zu einem besseren Verständnis und einer verbesserten europäischen Kooperation auch über die Kultur hinaus. Der Rat hat in den Jahren 2003 und 2005 Kolloquien in Polen über die Bedingungen künstlerischen Schaffens in der erweiterten EU durchgeführt.


Trinationale Arbeitstreffen von Theaterhochschulen (Weimarer Dreieck)

Um den bisherigen Aktivitäten des Deutsch-Französischen Kulturrates im Rahmen des Weimarer Dreiecks (2003 und 2005: Durchführung kulturpolitischer Kolloquien in Warschau; 2007: Herausgabe einer Dokumentation „Künstlerisches Schaffen in der erweiterten EU“ Con Brio Verlag) Nachhaltigkeit zu verschaffen, empfahl der Rat die Durchführung eines trinationalen Arbeitstreffens von Theaterhochschulen aus den Staaten des Weimarer Dreiecks.

Da sich eine (Co)Finanzierung durch die russische Regierung in diesem Jahr 2011 anbot und damit das Projekt sofort realisierbar war, wurde die Beteiligung Polens zunächst verschoben.
Das erste trinationale Arbeitstreffen F.I.N.D. plus fand im März 2011 im Rahmen des Festivals für Neue Dramatik F.I.N.D. in der Schaubühne Berlin statt.

Die Grundidee des Projektes liegt darin, sowohl ein kommunikatives als auch ein praxisnahes Netzwerk zwischen deutschen, französischen und Schauspiel- und Regieschulen eines Drittlandes zu schaffen, um deren Studenten einen Austausch zwischen den beteiligten Ländern zu ermöglichen und dabei die Unterschiede sowie Parallelen in den kreativen Prozessen, in den theoretischen und praktischen Ansätzen und Umsetzungen kennen zu lernen. Durch die gebotene Möglichkeit, sich gemeinsam Theatervorstellungen und somit Arbeiten von unterschiedlichen Regisseuren anzuschauen und diese anschließend zu diskutieren, werden die Kenntnisse der Theaterlandschaft erweitert und wichtige Anregungen und Impulse gegeben. In der täglich stattfindenden Master-Class, geleitet von einem namhaften Regisseur, können Schauspiel- bzw. Regiestudenten gemeinsam konzentriert an einer Aufgabe, z.B. an einem Szenenstudium arbeiten. Daneben werden Arbeitsgespräche mit allen Beteiligten, mit Regisseuren und Darstellern initiiert. Das Projekt hat zum Ziel, die Studenten mit den Tendenzen des modernen Regietheaters vertraut zu machen. Durch den Austausch profitieren sie von den gewonnenen Eindrücken und Erfahrungen der anderen Studenten sowie der Regisseure und Schauspieler, die sie kennen lernen. Dieser Dialog kann einen enormen Anstoß für die künstlerische Weiterentwicklung der Teilnehmer bedeuten. Das Projekt kann zudem für eine junge Künstlerbiographie sehr fördernd und maßgeblich sein, weil die Nachwuchsregisseure und Schauspieler bereits am Beginn ihrer Karriere entdecken können, wie sie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der französischen und deutschen Theaterarbeit produktiv nutzen können.

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Agenda 2020: Interdisziplinäre Künstlerworkshops auf dem afrikanischen Kontinent

Das Thema Kultur erscheint nicht explizit auf der deutsch-französischen Agenda 2020. Die Mitglieder des Deutsch-Französischen Kulturrates bedauern, dass sie als Beratungsgremium der beiden Regierungen nicht in die Planung eines eigenen Kapitels Kultur eingebunden wurden, sehen aber die Chance, Punkte für diese deutsch-französische Kulturagenda zu formulieren und darin die Erfahrungen aus konkreten Projekten und theoretischen Erörterungen einfließen zu lassen. Diese Agenda kann  der Arbeit des Rates eine langfristige Perspektive eröffnen.

In der Agenda 2020 werden unter Punkt 5 „Engere Kontakte zwischen unseren Bürgern“ einige Vorschläge und Wünsche aufgelistet, die für die Arbeit des DFKR von Interesse sind, z.B.:

  1. „...es sollte jungen Menschen in Deutschland und Frankreich auf freiwilliger Basis ermöglicht werden, an sozialen und Gemeinschaftsprojekten im Partnerland und international mitzuarbeiten“.
  2. „Schaffung eines gemeinsamen kulturellen Raums in Europa (...),  indem wir neue Förder- und Austauschprogramme für Künstler, Vertreter kultureller Einrichtungen (...) schaffen“.


Nach Meinung der Mitglieder des Rates, sollten künftig deutsch-französische Kulturprojekte, wie in der Agenda 2020 empfohlen, verstärkt auch in dritten Ländern stattfinden. Vorgeschlagen wird hier die Durchführung dieser Workshops auf dem afrikanischen Kontinent.
In den letzten zwanzig Jahren haben Deutsche und Franzosen prioritär in Europa kooperiert, z.B. mit der Gründung des Weimarer Dreiecks oder der Planung eines gemeinsamen Kulturinstituts in Moskau. Eines der Ziele dieser Workshops ist die Verstärkung der Kooperation zwischen deutschen und französischen Kulturinstitutionen in afrikanischen Ländern, wie z.B. im frankophonen Westafrika oder in Nordafrika, wo die französische Kulturpolitik sehr aktiv ist, oder im anglophonen südlichen Teil des afrikanischen Kontinents, wo traditionsgemäß Deutschland schon lange präsent ist. Die Kulturinstitute beider Länder werden in die Vorbereitung und die Organisation integriert; vor Ort wird jeweils eine lokale Institution ausgesucht, die den Workshop mit gestaltet und beherbergt.

Der Rat begrüßt die Umsetzung eines ersten deutsch-französisch-afrikanischen Workshops durch die Akademie Solitude im Jahr 2012 in Rabat.
Das Künstlerteam erarbeitet im Vorfeld ein Thema, das als Leitfaden während des Workshops interdisziplinär verfolgt wird. Im Workshop selbst wie auch für die öffentliche Präsentation, die am Ende des Workshops möglich sein sollte, ist die Integration der einzelnen Disziplinen, Sprachen und Kulturen Bestandteil des Vorhabens. Wichtig ist dabei, dass die Teilnehmer ihre Erfahrungen reflektieren und diskutieren können.

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Deutsch-französische Jugendzeitung EXTRA

Die deutsch-französische Jugendzeitung EXTRA wurde im Jahr 2004 von der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit und dem Deutsch-Französischen Kulturrat  initiiert.

Mehr Informationen zu EXTRA sowie alle Ausgaben als Download finden sie auf der Seiter der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit