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Mitglied des DFKR von 1988 bis 1992
Patrice Chéreau

Patrice Chéreau (†), am 2. November 1944 in Lézigné geboren, erstaunte Pariser Kritiker bereits im Alter von nur 15 Jahren mit seiner überwältigenden Begabung als Regisseur, Schauspieler und Bühnenbildner im Amateurtheater seines Gymnasiums. Bereits mit 19 Jahren inszenierte er an einem professionellen Theater.
1966 baute er im Pariser Vorort Sartrouville ein so genanntes engagiertes Volkstheater auf. Dort inszenierte er u. a. das Stück „Soldaten“ von Jakob Michael Reinhold Lenz. In Deutschland arbeitete er zum ersten Mal 1975 und inszenierte Edward Bonds Lear.
Ab den späten 1960er Jahren arbeitete Chéreau ausschließlich mit dem Architekten und Maler Richard Peduzzi zusammen, der für ihn alle Bühnenbilder entwarf.
Schon früh befasste sich Patrice Chéreau mit der Oper. Seine erste Oper inszenierte er 1969. 1974 führte er in Paris „Les Contes d’Hoffmann“ von Jacques Offenbach auf. Legendär geworden ist sein „Ring des Nibelungen“ zum 100-jährigen Jubiläum der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth 1976 – auch bekannt als „Jahrhundertring“. Aufsehen erregte auch seine „Lulu-Interpretation der Oper“ von Alban Berg 1979 in Paris. Für die Salzburger Festspiele inszenierte er 1994 Wolfgang Amadeus Mozarts „Don Giovanni“. 1993 verlieh ihm die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland.

Patrice Chéreau hat sich mittlerweile auch einen Namen als viel gelobter Filmregisseur gemacht. Seinen ersten Film „Das Fleisch der Orchidee“ drehte er 1975. Sein bisher größter Erfolg war der vielfach ausgezeichnete Film „Die Bartholomäusnacht“ mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle aus dem Jahre 1994. Für viel Aufsehen sorgte sein Film „Intimacy“ aus dem Jahre 2001, der eine bewegende Darstellung sexueller Entfremdung ist. Mit diesem Film gewann er den Goldenen Bären auf der Berlinale 2001. Auch sein nächster Film „Sein Bruder“ startete beim Berliner Filmfestival und brachte Chéreau auf der Berlinale 2003 den Silbernen Bären als bester Regisseur.
2009 erhielt Chéreau für seinen Film „Persécution“ eine Einladung in den Wettbewerb der 66. Filmfestspiele von Venedig.


2010-2011 inszenierte Patrice Chérau zwei Stücke der fantastischen Werke des norwegischen Dramatikers Jon Fosse: „Traum im Herbst“ und „I am the wind“. Die beiden Stücke wurden beim internationalen Theaterfestival in Avignon zu sehen.

Er starb am 7. Oktober 2013 in Paris im Alter von 68 Jahren.

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